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Aufführungen | Schauspiel

Die Räuber

Schauspielhaus Bochum

Die Jugend probiert den Umsturz aus. Feiern oder fürchten wir sie? Da lebt ein 17-Jähriger seit Jahren gefangen in einer despotischen Militärakademie und schreibt sich den ersehnten Umsturz von der Seele. Schreibt von Vatermord und Bandenbildung, vom Aufstand der Jungen gegen die Ordnung der Eltern, von extremer Gewalt, in selbstverständlicher Beiläufigkeit auch gegen Frauen, und von radikalem Denken. Im Zentrum: das beliebte Motiv der verfeindeten Brüder, die auf unterschiedliche Weise Rache nehmen. Am Ende: der Geschmack von Freiheit, die über Leichen geht. Schiller hat sich mit Karl und Franz Moor den doppelten Angriff auf sein Zeitalter imaginiert. Bis heute brennt sein dramatisches Debüt als Schullektüre die revolutionäre Geste in die Köpfe immer neuer Teenager. In Zeiten, in denen die extreme Rechte den Umsturz propagiert und das Patriarchat sich neu formiert, stellt sich die Frage, ob wir den Aufstand in Schillers Räubern feiern oder fürchten. Lucia Bihlers Inszenierungen sind voller einprägsamer Bildkompositionen und traumwandlerisch starker Setzungen. Mit Die Räuber stellt sich die Regisseurin erstmals dem Bochumer Publikum vor. Regie: Lucia Bihler Bühne: Paula Wellmann Kostüm: Leonie Falke Musik: Jakob Suske Choreografie: Felicitas Madl Lichtdesign: Bernd Felder Dramaturgie: Angela Obst technische Produktionsleitung: Lisa Schwarz Regieassistenz: Linda Hecker Bühnenbildassistenz: Ioana Isabela Voicu Kostümassistenz: Lara Türkcü Regiehospitanz: Leonie Wendt Dramaturgiehospitanz: Eleonora De Pace Kostümhospitanz FSJ: Bruno McGettrick Soufflage: Tanja Grix Inspizienz: Nora Köhler Übertitelung: Holger Rademacher, Sabine Heil
Aufführungen | Schauspiel

Lügenparty - Eine interaktive Wahrheitssuche

Schauspielhaus Bochum

Premiere: 4.10.2026 Erwachsene sagen immer: „Du sollst die Wahrheit sagen!“ Dabei lügen sie selbst andauernd. Im Durchschnitt zweimal am Tag. Echt jetzt? Erfundene Geschichten verbreiten sich auf Social Media, Donald Trump spricht von alternativen Fakten, dazu jede Menge Lügengeschichten und Fake News auf dem Schulhof – was kann man denn da noch glauben? Dabei lügen wir alle hin und wieder: aus Höflichkeit, um Freund*innen zu schützen, oder weil kleine Schummeleien das Leben ein bisschen einfacher machen. In seiner neuen interaktiven Performance beschäftigt sich das Kollektiv Turbo Pascal mit Wahrheit und Lüge: Ist es gut, wenn es eine gemeinsame Wahrheit gibt, oder gibt es viele Wahrheiten nebeneinander? Sollten Politiker*innen verpflichtet werden, immer korrekte Aussagen zu machen? Haben Kinder ein Recht auf Wahrheit? Wann ist ein bisschen Schwindeln okay? Und wann nicht? Lügenparty macht das Theater zum Versammlungs- und Verhandlungsraum gesellschaftlicher Prozesse, Dynamiken und Utopien. Gemeinsam mit Ensemble und Publikum schließen sich Turbo Pascal zu einem Lügendetektor zusammen, um herauszufinden, was denn jetzt wirklich stimmt. Alle können mitmachen und abstimmen: wahr oder falsch – was denkst du? Das Theater- und Performancekollektiv Turbo Pascal hat seinen Sitz in Berlin und arbeitet seit 2008 kontinuierlich mit den Sophiensælen zusammen, außerdem mit dem HAU, dem Deutschen Theater und dem Theater an der Parkaue. Seine Inszenierung Böse Häuser wurde zum Stückemarkt des Berliner Theatertreffens 2018 eingeladen und mit der bundesweit höchsten Auszeichnung für die Freien Darstellenden Künste, dem Tabori-Preis, geehrt. Unterscheidet euch am Theater an der Parkaue Berlin erhielt 2019 den Ikarus-Preis. Regie: Turbo Pascal (Angela Löer, Frank Oberhäußer, Margret Schütz) Bühne, Kostüm: Janina Janke Musik: Friedrich Greiling Altersempfehlung: 10+ Gefördert durch die RAG-Stiftung und die Brost-Stiftung
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Der Liebling

Schauspielhaus Bochum

Premiere: 3.10.2026 Wir befinden uns im Bürokomplex eines Tamponherstellers. Es geht um fünf Frauen und einen Mann. Im Zentrum: Franka König, genannt DIE KÖNIG, und Bettina von Fürstenberg, genannt DIE FÜRSTIN. In ihrer Jugend waren sie Freundinnen, inzwischen sind sie Rivalinnen. Als CEOs der rivalisierenden Damenhygieneartikelhersteller Never und Immer planen sie die gegenseitige feindliche Übernahme. Sie kämpfen mit allen Mitteln um Innovation und Marktanteile. Für DIE KÖNIG wird es eng: Sie hat ihre Happinessmanagerin Luna entlassen und mit einem Schwert verletzt, davon gibt es eine Videoaufzeichnung und nun droht eine Anzeige. Um an die Aufnahme zu kommen, schickt Luna ihre Schwester Mary als Praktikantin zu Never, die schnell das Vertrauen der Chefin gewinnt und Karriere macht. Währenddessen wittert Frankas Sohn Karsten, der sein Leben lang um die Anerkennung der erfolgreichen Mutter ringt, in der Krise seine Chance: Er will der nächste CEO von Never werden. Und auch Bettinas Tochter Rebekka, die als Tradwife auf Insta berühmt ist, ist im Dauerkonflikt mit ihrer Mutter … In diesem rasanten Plot in drei Akten fliegen die (feministischen) Fetzen. Die Autorin Svenja Viola Bungarten – mit allen diskursiven Wassern der Gegenwart gewaschen – hat eine Komödie geschrieben, die Fragen von Frauensolidarität und patriarchalem Verhalten, von Karriere und Macht, Mutterschaft und Tochter-Sein, von Freundinnenschaft und Konkurrenz verhandelt. Für Zeiten, in denen ein erzkonservatives Frauenbild ein besorgniserregendes Revival erlebt. Tina Laniks künstlerische Handschrift ist geprägt von zeitgenössischer Dramatik, gesellschaftspolitischen Themen und präzisen psychologischen Beziehungsstudien mit besonderem Interesse für weibliche Perspektiven und feministische Narrative. Dazu passend engagiert sie sich seit über zwei Jahrzehnten für die Gleichberechtigung und Sichtbarkeit von Regisseurinnen, gegen den Gender Pay Gap und für bessere Vereinbarkeit von Familie und Theater. Regie: Tina Lanik Bühne, Kostüm: Stefan Hagenei
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Clockwork Orange

Schauspielhaus Bochum

Premiere: 2.10.2026 Die Jugend erklärt der Welt den Krieg und sieht dabei unverschämt gut aus. Die Zukunft, die sie verheißt, wird gefährlich. Da läuft eine Horde Jugendlicher randalierend durch die Stadt, redet in unverständlichem Kauderwelsch, verprügelt Wildfremde, trinkt und dröhnt sich zu, überfällt die verdienten Bürger*innen der Gesellschaft, vergewaltigt die Frauen, bedroht die Männer. Ihr berüchtigter Anführer: der 15-jährige Alex, ein charismatischer Sadist von unbestechlicher Intelligenz, der Beethoven liebt und keine Gelegenheit auslässt, der Welt ins Gesicht zu schlagen. Gut, dass es einen funktionierenden Staat gibt, der durchgreift. Als es zu einem Todesfall kommt, wird Alex dingfest gemacht und hinter Gitter gesteckt: 14 Jahre Haft. Endlich Ruhe. Doch Alex greift nach einem Strohhalm, der ihn schneller aus dem Gefängnis bringt und für immer heilen könnte von all dem gewaltsamen Sehnen und Tun: die sich im Teststadium befindende Ludovico-Methode, die zu vollständiger Aversion gegen Gewalt führen soll. Man bekommt Medikamente, verbunden mit einem visuellen Overkill von Mord und Totschlag, bis den Probanden beim Anblick, ja beim bloßen Gedanken an jegliche Gewalt unfassbare Übelkeit überkommt. Als Alex nach der Behandlung aus der Haft entlassen wird, könnte alles in bester Ordnung sein. Dieser Junge wird niemandem mehr etwas antun. Doch wie überlebt man, bar jeglicher Fähigkeit, Böses zu ertragen, in einer Welt wie der unseren? Wurde Anthony Burgess nach Erscheinen seines dystopischen Romans 1962 noch Gewaltverherrlichung vorgeworfen, gilt Clockwork Orange seit Stanley Kubricks ikonischer Verfilmung als Kult. Schmerz und Schönheit, Blut und Beethoven – eine todsichere Bank? Dabei liegt in der Verwechslung von Freiheit mit Gewalt, die an Alex und seiner Bande infernale zu beobachten ist, etwas Erschreckendes: Was, wenn diese Jugend mehr mit ihren Eltern zu tun hat, als uns lieb ist? Ein Höllenritt mit den new kids on the block quer durch unsere schöne alte Welt. Regie: Claudia Bossard Bühne, Kostüm: Romy Springsguth Video, Musik: Annalena Fröhlich
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Rentierbaby

Schauspielhaus Bochum

Premiere: 31.10.2026 Das werden Sie nicht mehr los: erst bei Netflix, jetzt bei uns – ein Comedian und sein zweiter Schatten. Richard Gadd ist ein junger, erfolgloser Comedian, der am Bartresen sein Geld verdient und sich danach sehnt, dass die Leute ihn witzig finden. Seine Freundin Teri findet ihn witzig. Wer Gadd auch witzig findet, ist Martha, die plötzlich täglich an der Bar herumhängt: etwa Mitte 40, sagt, sie sei eine super busy Anwältin, die die politische Elite des Landes berate und Besitzerin mehrerer Immobilien in London. Andererseits hat sie Zeit im Überfluss, nicht einmal Geld für Tee und kramt im Müll nach brauchbaren Dingen. Und sie ist gekommen, um zu bleiben. Sie verpasst Gadd den Kosenamen „Reindeer“ nach ihrem Kuscheltier – Red Flag! –, sie bombardiert ihn mit sexuell expliziten Nachrichten – Red Flag! –, sie sitzt lautstark in jeder seiner Shows, sie behauptet, sie seien ein Paar, sie belästigt seine Eltern, sie geht seine Freundin an. Sie ist einfach überall und immer da. Und sie macht das alles nicht zum ersten Mal. Red Flag! Soweit so klar, oder? Mitnichten. Denn Gadd genießt zeitweise die Aufmerksamkeit Marthas, befeuert sie sogar. Seine Freundin Teri – Transfrau, genderfluid, politisch aktiv, Super-Brain (aber wie kommt man einer solchen Person schon mit Schubladen bei?) – lädt er an seinem Geburtstag aus, um Martha nicht zu verärgern. Die Polizei, an die sich Gadd in zunehmender Not wendet, findet die Vorwürfe nicht belastbar genug, um einzugreifen. Hat er ihr nicht ebenfalls anzügliche Nachrichten geschickt? Und als Gadd versucht, Martha eine Falle zu stellen, steht er plötzlich selbst als Täter da. Der schottische Schauspieler und Comedian Richard Gadd hat mit Baby Reindeer seine persönliche Geschichte aufgeschrieben. Die auf ihr beruhende Netflix-Serie traf einen Nerv und hat ihn über Nacht berühmt gemacht. In einer Welt, in der wir uns verzweifelt nach Gewissheiten, nach klaren Zuordnungen sehnen, durchkreuzt dieses Solo für einen mutigen Schauspieler gewohnte Sichtweisen und treibt uns, unerbittlich und bisweilen sehr komisch, in moralisch vermintes Gebiet … Regie: Albrecht Schroeder Bühne, Video: Studio Dietrich & Winter Kostüm: Lara Suppe Musik: Wenzel Krah, Paul Eisenach, Felix Kuhnt Dramaturgie: Angela Obst Lichtdesign: Sirko Lamprecht Regieassistenz: Tinka Bitzel Kostümassistenz: Niklas Strang Inspizienz: Ulrike Schaper Soufflage: Tanja Grix
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Romeo und Julia - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie

Schauspielhaus Bochum

Wie Shakespeare in den 70ern. Mit viel Musik. Und ein bisschen weniger Shakespeare. Unter dem Motto Let the Good Times Roll heißt es endlich auch wieder in Bochum: Leben und nicht lieben dürfen, lieben müssen, aber sterben wollen – was tun, wenn das Herz zerbricht? Romeo und Julia suchen die Antwort, und das seit nunmehr 428 Jahren. Anlässlich des 100. Jahrestags der Shakespeare-Wochen in Hückeswagen bei Wuppertal (finden alle 100 Jahre statt – nicht verpassen!) freuen wir uns, den Kulturverein zur Förderung der frühneuenglischen Sprache aus Bommern mit seiner Jahrhundertinszenierung von Romeo und Julia willkommen heißen zu dürfen. Kostüme und Bühnenbild sind zum Versand bereit, nun heißt es nur noch Sitting, Waiting, Wishing, bis sich ab dem 24. Oktober der Vorhang hebt für das Pärchen, das nie sein sollte. Nach Die Hermannsschlacht – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie kehren die Regisseurin Barbara Bürk und der Musiker, Schauspieler und Regisseur Clemens Sienknecht nach Bochum zurück. Damit führen sie ihre Reihe musikalischer Theaterabende fort, in denen sie augenzwinkernd und mit jeder Menge Musik Klassiker der Weltliteratur entstauben. Oder wie Taylor Swift sagen würde: It’s a love story, baby, just say „Yes“. Regie: Barbara Bürk, Clemens Sienknecht Bühne, Kostüm: Anke Grot Musikalische Leitung: Clemens Sienknecht Lichtdesign: Johannes Zotz Dramaturgie: Marvin L. T. Müller Regieassistenz: Christian Feras Kaddoura Bühnenbildassistenz: Carolin Vogl Regiehospitanz: Felix Langen Inspizienz: Christina Baston Soufflage: Sybille Hadulla-Kleinschmidt Übertitelung: Frank Hebenstreit / Sascha Krause-Hebenstreit Dauer: 1:50, keine Pause
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Leben und Schicksal

Schauspielhaus Bochum

in einer Bearbeitung von Koen Tachelet Ein epochaler Roman des 20. Jahrhunderts trifft auf Schostakowitschs 10. Symphonie. „Ich habe erkannt, dass nicht der Mensch machtlos ist gegenüber dem Bösen, sondern das mächtige Böse ist machtlos gegenüber dem Menschen.“ 1942. Während Europa in Flammen steht, treibt den Atomphysiker Strum seine bahnbrechende Erfindung in ein moralisches Dilemma: Wie weit darf Wissenschaft gehen, wenn aus ihr Zerstörung entspringt? Und was bleibt vom eigenen Gewissen, wenn Anerkennung und Überleben an Bedingungen geknüpft sind? Gleichzeitig halten in Stalingrad sowjetische Soldaten der Belagerung stand, indem sie von der Parteilinie abweichen, im deutschen KZ schreibt ein Häftling über die Güte, und Krymov muss feststellen, dass sich der Staat bisweilen auch gegen seine Systemtreuen wendet. Gleich einem Kaleidoskop erzählt Leben und Schicksal – das als Krieg und Frieden des 20. Jahrhunderts gilt – ein ganzes Geflecht von Leben inmitten der Grauen des Krieges: an der Front, in den Lagern, in Wohnzimmern und Kellern. Der russisch-jüdische Schriftsteller Wassili Grossman spürt dem nach, was das Lebendige auszeichnet, und sucht nach Menschlichkeit. Von dieser Suche und den Spannungen zwischen Künstler und Staat zeugt auch Dmitri Schostakowitschs 10. Symphonie von 1953, die die Bochumer Symphoniker im Anschluss an die ersten vier Vorstellungen im Anneliese Brost Musikforum Ruhr spielen. Regie: Johan Simons Bühne: Johannes Schütz Mitarbeit Bühne : Daniel Gantz Kostüm: Greta Goiris Musik: Steven Prengels Video: Voxi Bärenklau Toncollage: Tristan Wulff Dramaturgie: Marvin L. T. Müller, Koen Tachelet Technische Produktionsleitung: Kai Witkowski Regieassistenz: Leonie Mevissen Bühnenbildassistenz: Alma van der Donk, Sascha Kühne Kostümassistenz: Alexis Mersmann, Hyunah Shin Regiehospitanz: Luuk Bellemakers Kostümhospitanz: Bruno McGettrick Soufflage: Isabell Weiland Inspizienz: Ulrike Schaper Übertitelung: Frank Hebenstreit, Sascha Krause-Hebenstreit Dauer: 3:45, eine Pause
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auf der suche nach dem verlorenen bagger

Schauspielhaus Bochum

Premiere: 4.10.2026 Ein Kind wirft der Welt viele Fragen zu. Die Welt wirft ihm einen Bagger zurück. Alfi ist erst fünf Jahre alt, aber er stellt schon die Frage aller Fragen: Was ist, wenn man tot ist? Niemand von den Erwachsenen kann seine Frage beantworten, und auch seine Trauer über eine gestorbene Taube, die neben der Bank im Park liegt, wird nicht verstanden: Ein Kind muss doch die Zukunft erobern, statt sich mit der Frage nach dem Tod zu beschäftigen. Es soll groß und stark werden, am besten Nobelpreisträger*in oder Politiker*in – Quengler*in darf es nicht sein. Ein Kind, das sich Gedanken über Trauer und Vergänglichkeit macht, erscheint als Fehler im System. Wir alle wissen: In der bürgerlichkapitalistischen Gesellschaft dient Konsum der Verdrängung des Todes. Alfi bekommt eine zu große gelbe Jacke, die er eigentlich nicht haben will, zwei Kugeln Eis und – wenn sein geheimer Geheimplan funktioniert – auch einen neuen Spielzeugbagger. Zwar hat er schon einen, aber das ist der hässlichste Bagger auf der ganzen Welt. Er lässt ihn verschwinden und gibt bei der Polizei eine Vermisstenanzeige auf, damit seine Mutter die Ernsthaftigkeit seines Wunsches versteht und ihm einen neuen, schöneren Bagger kauft. Mit Fernbedienung. Und auf dem Rückweg vielleicht noch McDonald’s. Aber der Plan geht schief: Die Polizistin nimmt den Verlust viel zu ernst, sie geht mit ihm zum Fundbüro, zieht einen Politiker hinzu und wendet sich ans Fernsehen. Die Suche wird zu einem öffentlichen Spektakel ohne Raum für Trauer; und der Tod erscheint nicht mehr als erschreckendes Mysterium, sondern als profane Leere, die um jeden Preis gefüllt werden muss. Nach dem Erfolg von zwei herren von real madrid eröffnet Leo Meiers neues Stück in nur scheinbar naiver Sprache einen neuen Blick auf die Welt: auf der suche nach dem verlorenen bagger thematisiert den (Nicht-)Umgang mit dem Tod in unserer Gesellschaft. Charlotte Weidinger, die mit dieser Inszenierung ihr Regiestudium an der Folkwang Universität der Künste abschließt, erzählt von Kindheit, Trauer und Verlust – und das auf hochkomische Weise. Regie: Charlotte Weidinger
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Vom Ende der Einsamkeit

Schauspielhaus Bochum

Endlich auf der Bühne: der Bestseller über Liebe, Verlust und das Ringen mit der eigenen Vergangenheit. Crash. Plötzlich ist alles anders. Von einem Moment auf den anderen. Die Zukunft neu, das Leben fremd. Nachdem die Eltern von Liz, Marty und Jules Moreau bei einem Autounfall tragisch umkommen, verlieren sich die Geschwister aus den Augen. Sie kommen auf ein Internat, in verschiedene Wohnblöcke und entfremden sich. Jules, der Jüngste der drei Geschwister, findet in seiner Einsamkeit Halt bei Alva. Er verliebt sich in sie, doch auch sie verlieren sich nach dem Ende der Schulzeit. Dreißig Jahre später erinnert sich Jules daran, wer er war, wer er wurde und wer er eigentlich mal sein wollte. An die Versuche, den Verlust zu überwinden. An die bleibende Trauer, die Einsamkeit, aber auch die herzzerreißend glücklichen Tage. Sich verlieben, vermissen, sich wiederfinden. An Familie, Freund*innen, die Veränderungen und das Unveränderliche in jedem von uns. Und er erinnert sich an Alva, immer wieder an Alva. An eine verdammt große Liebesgeschichte. An das Ende der Einsamkeit. Nach Inszenierungen wie Club 27, Wer hat Angst vor Virginia Woolf? und Der Kissenmann führt Guy Clemens seine Arbeit als Regisseur am Schauspielhaus Bochum fort. Mit Benedict Wells’ Erfolgsroman Vom Ende der Einsamkeit erzählt er von nicht weniger als dem Leben und was es aus uns macht. Regie: Guy Clemens Bühne, Kostüm: Anja Rabes Lichtdesign: Johannes Zotz Video: Anne Rietmeijer Dramaturgie: Marvin L. T. Müller Technische Produktionsleitung: Lisa Schwarz Regieassistenz: Leonie Mevissen Bühnenbildassistenz: Carolin Vogl Kostümassistenz: Anna Holtkamp Regiehospitanz: Luz Lipp Kostümhospitanz: Chiara Stresemann Pädagogische Begleitung: Beatrix Feldmann, Johanna Cadenbach Soufflage: Tanja Grix Inspizienz: Nora Köhler Übertitelung: Kerstin Degener Dauer: ca. 2:15h, keine Pause
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Same Same

Schauspielhaus Bochum

Ein Abend über die faszinierende Einigkeit der zweisamen Geschwister. Von Castor und Pollux über die Olsen-Twins bis zu Patty und Selma: Zwillinge beschäftigen die Menschheit seit jeher. Allein in Shakespeares Stücken findet man gleich drei Zwillingspaare. In der Antike war meist ein Gott im Spiel: So war Herkules’ Zwillingsbruder Iphikles der Sohn eines Sterblichen, während der Halbgott niemand Geringeren als Zeus seinen Vater nannte. In anderen Kulturen galten sie als Zeichen von Unheil und gehörten mitsamt der Mutter beseitigt. Ob nun ein Gott oder ein Dämon mitgewirkt hatte, „normal“ kam das den Menschen nie vor. Und auch heute noch sind sie fasziniert von der besonderen Einheit, die Zwillinge bilden. Endet die individuelle Identität mit der genetischen Kopie? Und was heißt es, seit dem ersten Moment der Existenz zu zweit zu sein? Nach Der Hamiltonkomplex, Baroque und Werther (Love & Death) kehrt die belgische Regisseurin zurück ans Schauspielhaus Bochum. In ihren Inszenierungen collagiert sie Texte, Bilder und emotionale Soundtracks und bringt nichtprofessionelle Darsteller*innen und Schauspieler*innen zusammen. Diesmal nimmt sie den Kosmos rund um Zwillinge in den Blick. Regie, Text: Lies Pauwels Bühne, Kostüm: Johanna Trudzinski Lichtdesign: Wolfgang Macher Dramaturgie: Koen Tachelet, Dorothea Neweling Regieassistenz: Julian Hübner Bühnenbildassistenz: Carolin Vogl Kostümassistenz: Anna Holtkamp, Theresa Duttweiler Kostümhospitanz: Claudia Ferreira Soufflage: Jutta Schneider, Sybille Hadulla-Kleinschmidt Inspizienz: Christina Baston Übertitelung: Anette Nierhoff, Nael Joraschky Dauer: 1:50, keine Pause
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Die Gehaltserhöhung

Schauspielhaus Bochum

Im Leben gibt es drei wichtige Ereignisse: Geburt, Tod, Gehaltserhöhung. Zwei davon sind gewiss, beim dritten hingegen ist mehr als fraglich, wie hoch die Chancen tatsächlich sind. Die Frage nach einer Gehaltserhöhung muss trotzdem gestellt werden und Perecs wuchernder Text spielt ihre möglichen Variationen und Verläufe alle durch – und zwar buchstäblich alle: Ist der Abteilungsleiter in seinem Büro? Kommt er nochmal zurück? Hat er Zeit? Bietet er einen Stuhl an? Versteht er das Anliegen? Unterstützt er es? Und kommt was dabei heraus? Ja? Nein? Mit viel Humor seziert Georges Perec das Arbeits- und Alltagsleben und spielt mit den Regeln der Sprache. Perecs Texte, längere Zeit im Theater zu Unrecht unterschätzt, werden nun endlich für die Bühne (wieder-)entdeckt. Albrecht Schroeder bringt nach seinen Inszenierungen "Clyde und Bonnie" und "Eschenliebe" im Oval Office nun erstmals ein Stück dieses Autors in Bochum zur Aufführung: "Die Gehaltserhöhung oder wie Sie ungeachtet der sanitären, psychologischen, klimatischen, ökonomischen oder sonstigen Bedingungen ein Höchstmaß an Chancen haben, wenn Sie Ihren Abteilungsleiter um eine Angleichung Ihres Gehalts bitten." Regie: Albrecht Schroeder Bühne, Kostüm: Dorothee Curio Musik: Philipp Rohmer Lichtdesign: Sirko Lamprecht Dramaturgie: Moritz Hannemann Regieassistenz: Gianluca Elbert Bühnenbildassistenz: Sascha Kühne Kostümassistenz: Alexis Mersmann Kostümhospitanz: Finja Brunow, Henry Winkler Soufflage: Jutta Schneider Inspizienz: Christina Baston Sprachcoaching: Roswitha Dierck Übertitelung: Anette Nierhoff / Sabine Heil Dauer: ca. 1:30, keine Pause
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Frankenstein

Schauspielhaus Bochum

unter Verwendung von Auszügen aus SCHMUTZIGE SCHÖPFUNG - Making of Frankenstein von Thomas Melle Schöpferwahn und Gottkomplex und dazwischen ein Gewitter. Die 18-jährige Mary Wollstonecraft Godwin flieht mit ihrem Geliebten, dem noch verheirateten Dichter und Revolutionär Percy Shelley, und dem gemeinsamen Kind vor der sozialen Ächtung der Londoner Gesellschaft auf den Kontinent. Am Genfer See treffen sie auf den berüchtigt-berühmten Poeten Lord Byron und verbringen den Sommer miteinander. Wobei: Der Sommer fällt aus. Es ist das kalte Jahr 1816, klimatische Folge eines Vulkanausbruchs in Indonesien. Liegt es also am schlechten Wetter, dass die jungen begabten Leute drinnen hocken und einen Schreibwettbewerb ausrufen, auf dass die beste Gespensterstory gewinne? Oder am Konsum von Laudanum plus Schauergeschichten? Oder an den Gesprächen über Somnambulismus, über neueste wissenschaftliche Experimente (Tote, die mit Elektrizität zum Leben erweckt werden!), über das Verhältnis von Biologie und Religion (Materie schlägt Seele, oder war es umgekehrt?). Fakt ist: Hier entstehen die ersten Ideen zu dem Roman Frankenstein . Hier beginnt der mythische Kampf zwischen dem Wissenschaftler Victor Frankenstein und seiner zusammengebauten Kreatur, die, soeben zum Leben erwacht, von ihm verstoßen wird und die ihn fortan verfolgt, ihr Recht auf Liebe fordernd, um den Preis einiger Toten. Und: Hier betritt die zukunftsweisende Autorin Mary Shelley die literarische Bühne, erobert sich eine junge weibliche Stimme künstlerischen Raum. Ihr erster Roman: heute Kult und Mythos, Popkultur und epochale Signatur. In der Inszenierung von Tom Schneider wird die Bühne Mary Shelleys „Zimmer für sich allein“, frei nach Virginia Woolf, ein Schöpfungsraum, Werkstatt, Atelier. Die Schauspielerin und bildende Künstlerin Karin Moog erschafft eine aufwendig gestaltete visuelle Welt, in der Mary Shelley mit Percy Shelley und Lord Byron, Victor Frankenstein und seinem Monster eine Geschichte sucht und Unsterblichkeit findet. Regie: Tom Schneider Bühne, Kostüm: Andrijana Trpković Musik: Daniel Nerlich Choreografische Mitarbeit: Alice Gartenschläger Dramaturgie: Angela Obst Dauer: 1:45, keine Pause
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Die Kunst des Deals

Schauspielhaus Bochum

Ein Abend auf der Überholspur: Harte Fakten, persönlicher Charme und viel Musik. Wir schreiben das späte 20. Jahrhundert – genauer das Jahr 1987. Die Geschichte gelangt an ihr Ende, der neoliberale Umbau der Sozialdemokratie steht vor der Tür, the sky is the limit. Der Kapitalismus feiert seinen endgültigen Sieg und ein New Yorker Immobilienmakler namens Donald Trump veröffentlicht sein autobiografisches Buch The Art of the Deal . Niemand ahnt damals, dass die darin beschriebenen Methoden einmal die Weltpolitik beherrschen werden. Beherrschen sie auch uns? Unsere privaten Beziehungen, unseren Arbeitsplatz, die Autowerkstatt? Betrachten wir Begegnungen im Alltag auch als Transaktionen, die man gewinnen muss? Und kann man Erfolg trainieren? Das niederländisch-flämische Kollektiv Wunderbaum, bekannt für knallharte Recherche und das lustvolle Unterlaufen aller Erwartungen (u.a. Die Hundekot-Attacke , eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2024) unterzieht The Art of the Deal einer kritischen Re-Lektüre und entwickelt daraus gemeinsam mit dem Ensemble eine dunkle, musikalische Komödie voller doppelter Böden. Konzept: Wunderbaum Regie: Walter Bart Bühne: Maarten van Otterdijk Lichtdesign: Maarten van Otterdijk Kostüm: Bettina Kirmair Musik: Moritz Bossmann, Kristina Koropecki Dramaturgie: Lucien Strauch Regieassistenz: Gianluca Elbert Bühnenbildassistenz: Íngrid Pons i Miras Kostümassistenz: Lara Türkcü Regiehospitanz: Amina Schmitt Kostümhospitanz: Henry Winkler Soufflage: Sybille Hadulla-Kleinschmidt Inspizienz: Jonas Kissel Übertitelung: Holger Rademacher, Kerstin Degener
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Club 27 - Songs für die Ewigkeit

Schauspielhaus Bochum

Als Brian Jones, Gitarrist und Gründungsmitglied der Rolling Stones, am 3. Juni 1969 in seinem Swimmingpool ertrank, zahlte er mit seinem Leben den ersten Mitgliedsbeitrag für einen Club, der bald Zuwachs bekommen sollte. Es folgten Janis Joplin, Jimi Hendrix und, exakt zwei Jahre später am 3. Juni 1971, Jim Morrison – alle wurden 27 Jahre alt. Damit war der Mythos begründet. An die Tür zum sogenannten Club 27 wurde seitdem regelmäßig geklopft, unter den Einlasssuchenden fanden sich auch Kurt Cobain und Amy Winehouse. Ein VIP-Club der Extraklasse. Doch verbindet die berüchtigten Mitglieder mehr als nur das Alter: Things have never been so swell, I have never failed to fail. Viele von ihnen zählten zu den einflussreichsten und begabtesten Musiker*innen ihrer Zeit und schrieben schon vor ihrem Tod Geschichte. Sie lebten außer sich und über sich hinaus, bestimmten das kulturelle Erbe nicht nur der westlichen Welt, waren Fixpunkt etlicher Sehnsüchte. Sie waren perforiert und exzessiv, spürten jede Faser dieser Welt und versuchten dabei zu funktionieren – zur Not, also oft, auch mit Heroin. Ihre Leben wurden zur politischen Aussage und prägten mit ihrem Widerspruch zum Konsens die Bewegungen der Counterculture und damit ganze Generationen. Sie waren über die Maßen frei. I’m all for you, body and soul. So presst sich in die kurze Zeit, die all diesen freien Radikalen vor dem Eintritt in den Club 27 blieb, ein wildspektakuläres, donnernd lautes, tieftragisches wie auch verdammt nochmal extrem einmaliges Konzentrat an Leben, in dem wahrscheinlich mehr los war, als sich jede*r von uns Normalsterblichen für ein ganzes Lebensalter vorzustellen vermag. Riders on the storm, Into this house, we‘re born, Into this world, we’re thrown. Im Schauspielhaus Bochum hat der Club 27 zur Vollversammlung geladen. Garantiert ist ein Abend, an dem kein explosives Gefühl und kein guter Song ausgelassen werden. It’s better to burn out, than to fade away. Regie: Guy Clemens Musikalische Leitung: Stefan „Pele“ Götzer Bühne: Íngrid Pons I Miras Kostüm: Sophia Deimel Licht: Johannes Zotz Dauer: 1:30, keine Pause
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Catarina oder
Von der Schönheit, Faschisten zu töten

Schauspielhaus Bochum

Next Generation verweigert Familientradition. Das Erfolgsstück aus Avignon erstmals in deutscher Sprache. In dieser portugiesischen Familie gibt es eine ungewöhnliche Tradition: Immer zum Jahrestag der Ermordung der Landarbeiterin Catarina Eufémia am 19. Mai 1954 durch Schergen der Diktatur wird ein Faschist getötet. Es beginnt als gutgelaunte Familienfeier und endet mit der Erschießung eines Delinquenten im Garten. Hier wird anscheinend Unrecht gerächt. Doch diesen Sommer rumort es in der Familie. Die jüngste Tochter stellt infrage, was seit drei Generationen zelebriert wird. Nicht nur verweigert sie als Veganerin neuerdings das Festmahl (Schweinsfüße nach Familienrezept), sondern bezweifelt auch, ob Gewalt überhaupt ein legitimes Mittel zur Verteidigung von Freiheit und Demokratie sein kann. Der portugiesische Autor, Schauspieler und Regisseur Tiago Rodrigues leitet seit 2023 das Festival d’Avignon und wurde mit seinem Stück Catarina e a beleza de matar fascistas international gefeiert. Die slowenische Regisseurin Mateja Koležnik, deren Bochumer Arbeit Kinder der Sonne 2023 zum Theatertreffen eingeladen wurde, inszeniert das Stück voller moralischer Fallstricke nun zum ersten Mal in deutscher Sprache. Regie: Mateja Koležnik Bühne: Raimund Orfeo Voigt Mitarbeit Bühne: Isabela Voicu Kostüm: Ana Savić-Gecan Choreografie: Magdalena Reiter Video: Philipp Haupt Lichtdesign: Bernd Felder Komposition: Alen Sinkauz, Nenad Sinkauz Klanggestaltung: Jordy Zoet Dramaturgie: Dorothea Neweling Regieassistenz: Linda Hecker Bühnenbildassistenz: Nina Terbeck Kostümassistenz: Paula Glawion, Lara Türkcü Regiehospitanz: Christina Maria Sutter Kostümhospitanz: Bruno McGettrick, Siri Gersch Dolmetscherin : Anja Wutej Sprachcoaching: Roswitha Dierck Soufflage: Isabell Weiland Inspizienz: Ulrike Schaper Übertitelung: Kerstin Degener, Frank Hebenstreit Dauer: ca. 1:40, keine Pause
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Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich

Schauspielhaus Bochum

aus dem Amerikanischen von Marcus Ingendaay Bearbeitung von Vasco Boenisch Mit Corona kam auch die boomende Kreuzfahrtschifffahrt vorläufig zum Erliegen. Doch inzwischen wird wieder um die verunsicherte Kundschaft geworben: „Bleiben Sie unter sich: Rundumsorglos – an Bord und an Land.“ Für manche klingt das mehr wie eine Drohung. Eine siebentägige Luxuskreuzfahrt in der Karibik zum Beispiel – für David Foster Wallace kann es keine kürzere Definition für die Hölle geben. Im Auftrag von Harper’s Magazine ging der berühmte US-Autor Mitte der Neunziger an Bord der Zenith und stach von Key West aus in See. Ein Selbsterfahrungstrip besonderer Güte. Und ein grandioser Reisereport, der seit Jahren auf den Bestsellerlisten steht: Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich . Wallace begibt sich in die kundigen Hände der Schiffscrew, deren Slogan „Your Pleasure is our Business“ (Ihr Vergnügen ist unser Geschäft) bisweilen einen drohenden Unterton annimmt. Er kämpft gegen die Angst, von einer ungemein effizienten Unterdruck-Toilette entsorgt zu werden. Er nimmt am Wettbewerb um die schönsten Männerbeine teil. Er beobachtet 500 amerikanische Leistungsträger*innen beim Ententanz. Und er hört erwachsene Menschen am Info-Counter fragen, ob man beim Schnorcheln nass wird, ob die Crew ebenfalls an Bord schläft oder um welche Uhrzeit das Mitternachtsbüffet eröffnet wird. Eine Woche lang macht Wallace alles mit, was das Bordleben für den erholungsbedürftigen Urlauber bereithält. Umgeben von Jubel, Trubel und Heiterkeit, wird er selber zunehmend stiller und beginnt, sich in seiner Kabine einzuigeln. So gerät diese Reise übers Meer auch zu einer berührenden Reise zu sich selbst. Doch man muss sich den Dingen stellen und vor allem dem, was für andere Menschen die schönste Zeit des Jahres bedeutet. David Foster Wallaces so komische wie einfühlsame Beobachtungen über das Leben an Bord einer schwimmenden Hochzeitstorte, über eigentümliche Reisegenoss*innen, unvergessliche Landgänge, den Terror des Amüsierzwangs sowie die eignen Zweifel und Ängste nannte die FAZ ein „Meisterstück der literarischen Reportage“ und Harald Schmidt schlicht „ein grandioses Buch“. Jetzt als großes Schauspieler-Solo. Leinen los – oder will doch noch jemand zu Hause bleiben? Regie: Tamó Gvenetadze Übersetzung: Marcus Ingendaay Bearbeitung: Vasco Boenisch Bühne: Anna Wörl Kostüme: Sofia Dorazio Brockhausen Musik: Beka Buchukuri Dramaturgie: Vasco Boenisch Dauer: 1:40, keine Pause
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Don’t Worry Be Yoncé

Schauspielhaus Bochum

Liberté, Egalité, Be Yoncé. Es kann nur eine Queen B geben. Aber ist das wirklich so? Oder kann man mit der notwendigen Begeisterung und einer Portion Ehrgeiz das schaffen, was nur sie geschafft hat? To Be Yoncé! Mit ihrer praktischen Anleitung, um der phänomenalen Pop- und R’n’B-Sängerin näher zu kommen, sorgte die Jungregisseurin Stephanie van Batum in München bereits für Begeisterungsstürme. In Form eines Tutorials erfahren die Zuschauer*innen in wenigen Schritten, was nötig ist, um SIE zu sein – how to be Bey. Und das ist mehr als singen, tanzen und performen, mindestens: Diva, Queen, Sexbombe, Mutter, Geschäftsfrau, Ehefrau, Feministin. #flawless Don't Worry Be Yoncé (XS Edition) wurde eingeladen zum Festival Radikal jung 2018. Regie, Text, Konzept: Stephanie van Batum Bühne, Video, Sound: Florian Schaumberger Kostüme: Bettina Kirmair Licht: Claudio Zeeb Dauer: 1:20h, keine Pause Sprache: Englisch mit deutschen Übertiteln
Aufführungen | Schauspiel

Trauer ist das Ding mit Federn

Schauspielhaus Bochum

Aus dem Englischen von Matthias Göritz und Uda Strätling Manchmal gibt es keine Rettung. Es geschieht etwas Schlimmes, jäh, unerwartet und ungerecht, zu groß für das einzelne kleine Leben, und dann fällt man hinunter, ins Bodenlose. Ins Nichts. Und alles geht verloren. Plötzlich ist sie tot, eine junge Frau, Ehefrau, Liebende, Mutter von zwei kleinen Kindern – ein Unfall, unscheinbar und schnell. Und dann, nach all den Beileidsbekundungen, nach der Lasagne und anderen Tröstungen von Freund*innen und Verwandten, verlangt das Leben weiterzugehen: der Alltag, die Schule, das Buch, an dem der Vater arbeitet, die nach Halt suchenden Kinder. Wenn nur nicht diese unfassbare Lücke wäre. Doch manchmal gibt es Rettung: Plötzlich bricht eine Krähe in diesen verwundeten Ort ein, struppig und unverschämt, ein randalierender Trickster, eine unberechenbare Therapeutin, die mit allen Wassern gewaschen ist. Und richtet sich vorläufig aufs Bleiben ein. Ist sie dem Buch entflogen, das der Vater über den berühmten Gedichtzyklus Crow des englischen Dichters Ted Hughes schreibt? Ist sie alten Mythen entsprungen, kindlichen Träumen oder von der Mutter gesandt? Statt einer Erklärung bringt Krähe Unruhe und Liebe, bekämpft Illusionen und Depressionen, erfindet neue Spiele, zofft und zürnt und zaust und erobert mit der versehrten Familie Flügelschlag für Flügelschlag die Hoffnung auf eine Zukunft. Max Porters Debütroman ist viel mehr als ein Trauerbuch, ist voll von funkelnder, wild wuchernder Sprache, ist Musik, ist Zungenkuss, ist Showdown und Federsturm und immer wieder und vor allem eine Feier der Liebe. Trauer ist das Ding mit Federn ist der dritte und abschließende Teil der Familientrilogie von Christopher Rüping, in der er gemeinsam mit seinem jeweiligen Ensemble in drei voneinander unabhängigen Arbeiten das Konstrukt der Familie im 21. Jahrhundert befragt - ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Der erste Teil der Familientrilogie Einfach das Ende der Welt von Jean-Luc Lagarce entstand 2020 am Schauspielhaus Zürich, war auch in Bochum zu sehen und spielt seit Januar 2024 am Deutschen Theater Berlin. Der zweite Teil der Familientrilogie Brüste und Eier nach Mieko Kawakami entstand 2022 am Thalia Theater in Hamburg. Regie: Christopher Rüping Bühne: Peter Baur Kostüm: Lene Schwind Licht: Bernd Felder Musik: Jonas Holle Videodesign: Jasmin Kruezi Dramaturgie: Angela Obst Dauer: 2:00, keine Pause
Aufführungen | Tanz

TANZTHEATER WUPPERTAL PINA BAUSCH

Tanztheater Wuppertal Pina Bausch + Terrain Boris Charmatz Im Revolutionsjahr 1968 beginnt die Tänzerin und Choreographin Pina Bausch (1940-2009) eigene Stücke zu entwickeln. Als sie 1973 als Direktorin nach Wuppertal kommt, benennt sie das Wuppertaler Ballett um in „Tanztheater“. Ihre Idee, Tanz und Theater zu verbinden, revolutioniert den Tanz und macht sie zur Ikone eines neuen Ausdruckstils. Für ihr Werk wird sie mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet. Das Repertoire der Compagnie ist weltweit bekannt, ihre Stücke werden bis heute auf Tourneen in der ganzen Welt gezeigt. Das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch hat Tanzgeschichte geschrieben. Im Jahr 2023 feierte es sein 50-jähriges Bestehen. Im August 2022 übernahm der französische Tänzer und Choreograph Boris Charmatz (*1973) die künstlerische Leitung des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch. Mit seiner Intendanz in Wuppertal schlägt er ein neues Kapitel auf, indem er an die Spitze einer Compagnie tritt, die für den Personalstil Pina Bauschs steht und den Namen der Künstlerin weiterhin im Titel führt. Diese besondere Hybridsituation ermöglicht ihm, die vielfältigen Aspekte seines Schaffens zusammenzuführen: Seinen kreativen Umgang mit dem Tanzerbe der Moderne und Postmoderne, seinen Glauben an die Kraft von Kollektiven und seine Überlegungen zum Körper als Medium der Erinnerung.
Aufführungen | Tanz

Vollmond

TANZTHEATER WUPPERTAL PINA BAUSCH

Choreografie / Inszenierung: Pina Bausch Bühne: Peter Pabst Kostüme: Marion Cito Mitarbeit: Marion Cito, Daphnis Kokkinos, Robert Sturm Musikalische Mitarbeit: Matthias Burkert, Andreas Eisenschneider Musik: Amon Tobin, René Aubry, Nenad Jelic, Magyar Posse, Leftfield, Jun Miyake, Cat Power, The Alexander Balanescu Quartett, Tom Waits, u. a. Uraufführung: 11. Mai 2006, Schauspielhaus Wuppertal Dauer: 2h 20min, eine Pause

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